Das Mastersystem

5. März 2009

Heute möchte ich eine weitere wichtige Merktechnik erklären, und zwar eine Technik, mit der man sich Zahlenfolgen merken kann.

Zahlen oder Telefonnummern präge ich mir mit Hilfe des Mastersystems ein. Im Mastersystem bekommt jede zweistellige Ziffernkombination ein Schlüsselwort zugewiesen, das man auswendig lernen muss. Damit einem die Schlüsselwörter leicht wieder einfallen, bekommt zunächst jede Ziffer einen Laut (Konsonanten) zugewiesen. Folgende Belegung der Ziffern wird häufig genutzt:

0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
s,z,ß,ss t,d n m r l ch,sch g,k,ck f,w,v p,b

Die Schlüsselwörter sollten nun immer die jeweiligen Konsonanten in genau der Reihenfolge der Ziffern enthalten, während Vokale im Schlüsselwort ignoriert werden.

Beispiel:

Für 38 könnte man nun das Schlüsselwort Mafia oder Möwe nutzen.

Für die 82 kämen Fön oder Wanne in Frage.

Eine Tabelle mit Vorschlägen für Schlüsselwörter gibt es hier.

Von jedem Schlüsselwort versucht man sich nun ein einprägsames Bild zu schaffen. Die Bilder sollten möglichst viele Sinne ansprechen, denn dadurch wird es leichter, sich wieder daran zu erinnern. Bei der Erstellung dieser Bilder sollte man sich ruhig Zeit lassen und ein wenig herumprobieren, sodass man möglichst Bilder hat, die einem sehr leicht einfallen. Falls man zu einem Schlüsselwort kein gutes Bild findet, sollte man ein anderes Schlüsselwort ausprobieren.

Beispiel:

Für die 38, das Schlüsselwort Mafia, stellt man sich einen italienischen Mafia-Boss im schwarzen Anzug vor, der seine Zigarre raucht und mit krächzender Stimme sagt: "Ich werde Dir ein Angebot machen, das Du nicht ablehnen kannst!"

Die Bilder sollte man in der Anfangszeit täglich wiederholen und sich immer möglichst alle Sinneseindrücke klar machen, die das Bild enthält. Nach kurzer Zeit sollten die Bilder dann so sicher sein, dass man sie nur noch aneinanderreihen muss, um sich eine Telefonnummer zu merken. Die Bilder sollten möglichst auf seltsame oder auffällige Art miteinander verbunden werden, denn je auffälliger ein Bild ist, desto leichter lässt es sich merken.

Beispiel:

Peter hat die Telefonnummer 384458. Diese könnte man sich z.B. so merken:

Peter sitzt mit dem erwähnten Mafia-Boss (38) zusammen in seinem Wohnzimmer und sie gucken im Fernsehen einen Horrorfilm (44). Als wäre das nicht schon furcheinflößend genug, werden sie plötzlich dadurch überrascht, dass sich der Fernseher in Lava (58) auflöst. Die Lava brennt sich durch den Fernsehtisch bis auf den Boden und hinterlässt dort ein großes Brandloch.

Die durch die Bilder entstandene Situation lässt sich nun also viel leichter merken als die Zahl selbst und wenn man die Situation innerhalb der ersten Tage ein paar mal im Kopf wiederholt, dann bleibt die Information sehr lange im Kopf. Außerdem tragen auch die Wiederholungen beim Abrufen der Information dazu bei.

Das Mastersystem lässt sich wunderbar mit der Routenmethode verbinden, welche ich bereits hier vorgestellt habe. Durch die Kombination dieser beiden Techniken kann man sich lange Zahlenfolgen von tausenden von Ziffern einprägen.

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Die Loci-Methode

3. März 2009

Um die neue Kategorie mal ein wenig mit Inhalt zu füllen, möchte ich nun einige Merktechniken vorstellen. Ich beginne mit der Loci- oder auch Routenmethode. Sie ist eine der grundlegendsten und wichtigsten Techniken zum Merken von Informationen.

Zur Vorbereitung muss man sich zunächst eine Route anlegen. Das bedeutet, dass man an einem bekannten Ort einzelne Objekte oder Punkte festlegt. Zum Beispiel kann man eine Route im eingenen Zimmer anlegen oder eine Route auf dem Arbeitsweg.

Beispiel für eine Route:

1. Kleiderschrank
2. Mülleimer
3. Schreibtisch
4. ...

Sobald man sich eine Route angelegt hat und sich die einzelnen Punkte verinnerlicht hat, kann es auch schon losgehen. Nun wird die Route mit Informationen belegt: Man verbindet jede zu merkende Information gedanklich mit einem Routenpunkt. Dabei sollte man versuchen, ein möglichst auffälliges Bild im Kopf zu erzeugen, dass die verschiedenen Sinne anspricht, denn je auffälliger diese Bilder werden, desto leichter fällt später das Erinnern.

Beispiel:

Man möchte sich eine Einkaufsliste merken:

1. Der Kleiderschrank geht nicht meht zu, weil er voller Butter ist. Sogar die Griffe der Tür sind mit Butter beschmiert und ganz fettig.
2. Aus dem Mülleimer stinkt es ganz besonders, weil ein großer Laib Käse darin liegt.
3. Irgendein Idiot hat ein Glas Milch auf dem Schreibtisch umgekippt, sodass das ganze erst einmal aufgewischt werden muss.
4. ...

    Sobald man die Bilder erstellt hat, sind die Informationen auch schon gespeichert und man vergisst sie erstmal nicht mehr. Wiederholt man das gespeicherte Wissen nun von Zeit zu Zeit, dann kann dauerhaftes Allgemeinwissen auf der Route gespeichert werden. Einige Routen sollte man sich jedoch immer für temporäres Wissen bereit halten. Auf dieses Routen wiederholt man das Wissen nicht, sondern nutzt es nur einmal (wie bei der Einkaufsliste) und vergisst es danach wieder, um neues Wissen dort zu speichern.

    Ein großer Vorteil der Loci-Methode besteht darin, dass durch die Routenpunkte gleich eine Reihenfolge festgelegt wird. Falls man sich Dinge merkt, bei denen die Reihenfolge wichtig ist, ist die Routemethode also besonders gut geeignet. Für das Spiel "Ich packe meinen Koffer..." ist die Routenmethode also wie geschaffen.

    Mit der Zeit kann man sich immer mehr Routen anlegen, die man ganz nach seinen Wünschen belegen kann.

    Also dann, viel Spaß beim Merken!

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    Mnemotechnik

    2. März 2009

    Ich eröffne mal eine neue Kategorie, nämlich Mnemotechnik.

    Jemand der mit Mnemotechnik (ja, mit Mn geschrieben) arbeitet, speichert große Informationsmengen systematisch mit Hilfe von speziellen Techniken, Merkhilfen oder Eselsbrücken im Gedächtnis ab.

    Ich habe zum ersten Mal im Oktober 2005 von Mnemotechnik gehört, als die mehrmalige Gedächtnissport-Juniorenweltmeisterin Christiane Stenger zu Gast bei TV total war. Diese hat bei Wettbewerben z.B. 214 Ziffern innerhalb von 5 Minuten auswendig gelernt. Da denkt man sich jetzt vielleicht: Was nützt es mir denn, eine Folge von Zufallsziffern auswendigzulernen? Da kann ich doch gleich Pi auswendiglernen! 😉

    Aber mich hat diese Fähigkeit von Anfang an sehr fasziniert. Ich habe verschiedene Bücher zum Thema zu lesen und angefangen mir selbst solche Techniken anzueignen. An Wettbewerben möchte ich damit nicht teilnehmen, sondern ich möchte mir mit Hilfe der Mnemotechnik ein umfangreiches Fakten-Wissen zu bestimmten Themen einprägen: Der geniale Entertainer (und Geocacher) Bernhard Hoëcker hat z.B. alle Hauptstädte der Welt auswendig gelernt und das habe ich mir auch als Ziel gesetzt. Dazu kann man dann noch Einwohnerzahlen und Flächen der Länder lernen.

    Man kann also mit genügend Motivation eine ganze Wissens-Datenbank im Kopf abspeichern, auf die man dann jederzeit zurückgreifen kann.

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